Historisches zur Rennofenverhüttung

Der Beginn der Eisenzeit lässt sich je nach Kulturraum und Region unterschiedlich datieren. Allgemein wird angenommen, dass die Technologie der Eisenverhüttung bereits um 1700 v. Chr. im heutigen Osten der Türkei ihren Ursprung hatte und sich von dort ausbreitete. In Mitteleuropa wird der Beginn der Eisenverhüttung traditionell auf ca. 800 v. Chr. angesetzt, während es in Nordeuropa nochmal 300 Jahre länger dauerte, bis das erste Eisen gezielt hergestellt wurde. Zur Entdeckung des Prozesses der Eisenverhüttung gibt es zwei vorherrschende Theorien. Einerseits wird angenommen, dass die Erzeugung von Eisen zu Beginn ein ungewollter Nebeneffekt bei der Verhüttung von Kupfererzen und dem Schmelzen von Kupfer und Bronze darstellte. Andererseits könnte die Eisenverhüttung ihren Anfang im Kontext der Herstellung von Keramik gefunden haben, bei der geröstete und zermahlene Oxide als farbgebende Pigmente verwendet wurden. Aufgrund der unterschiedlichen Verarbeitungsweise des Eisens im Vergleich zu Kupfer und Bronze dauerte es jedoch noch eine lange Zeit, bis der Wert des Eisens erkannt und Eisen gezielt hergestellt wurde.
Zu  Beginn wurde Eisen in sog. Rennfeuern verhüttet. Rennfeuer waren meist nicht mehr als etwas tiefere Essen, in die seitlich von oben Luft mit Hilfe von Blasrohren oder Blasebälgen eingeblasen wurde. Die Essen wurden Abwechselnd mit geeigneten Brennmaterial (Holzkohle, Torf, vereinzelt konnte auch die Verwendung von Holz nachgewiesen werden) und zerbröselten Erz bestückt. Die Effizienz dieser Öfen war aufgrund der niedrigen Temperaturen und der kurzen Verweildauer des Erzes in den reaktiven Verbrennungsgasen in der Regel sehr gering. Meist konnten nur sehr kleine und stark verunreinigte Luppen erzeugt werden. Im Laufe der Zeit wurden die Rennfeuer immer höher und es entwickelten sich die ersten Rennöfen, bei denen die Bestückung von oben in den Ofen gegeben wurde und die benötigte Luft im unteren Teil des Ofens eingeführt wurde. Anfangs wurden Rennöfen mit natürlichem Zug verwendet, bei denen man sich den natürlichen Kamineffekt zu Nutzen machte. Später wurde die Luftzufuhr dann künstlich mit Hilfe von hand- oder fußbetriebenen Blasebälgen betrieben, wodurch die Effizienz gesteigert werden konnte. Bis ins 13. Jahrhundert stellte der Rennofen die einzige Methode dar, mit der Eisen hergestellt werden konnte. Ab dem 13. Jahrhundert begann die Entwicklung zu sog. Floßöfen, in denen Eisen verhüttet und vollständig erschmolzen und somit Roheisen (Gusseisen) erzeugt wurde. Das Roheisen musste im nächsten Schritt gefrischt werden, um schmiedbares Eisen zu gewinnen. Allerdings war die Rennofenverhüttung bis ins 16. Jahrhundert die vorherrschende Methode zur Eisengewinnung. Besonders in Ländlichen oder schlecht erschlossenen Regionen konnte die Verwendung von Rennöfen noch bis ins 18. Jahrhundert nachgewiesen werden.


Eine sehr umfangreiche Abhandlung zur Geschichte und Funktionsweise von Rennöfen findet ihr hier:


•    Osann, B.: Rennverfahren und Anfänge der Roheisenerzeugung. Zur Metallurgie und Wärmetechnik der alten Eisengewinnung. Verein deutscher Eisenhüttenleute (Fachausschussbericht: 9.001), Düsseldorf 1971.