Normalisieren

Beim Schmieden von Stahl, besonders wenn dies bei hohen Temperaturen stattfindet (z.B. Damastherstellung), bekommt der Stahl durch das Überhitzen eine grobe Gefügestruktur. Ein Stahl mit einer groben Gefügestruktur wird nach dem Härten äußerst spröde sein und insgesamt eine schlechtere mechanische Leistungsfähigkeit aufweisen. Nach dem Schmieden sollte daher als erstes das Gefüge des Rohlings wieder hergestellt werden. Das geschieht beim Normalisieren. Auch wenn viele Schmiede diesen Schritt nicht für nötig halten, normalisiere ich alle meine Klingenrohlinge, um eine gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten. Egal ob Damast oder Monostahl.

 

Das Normalisieren oder Normalglühen ist ein Verfahren um Gefügeungleichmäßigkeiten zu beseitigen und ein feinkörniges und gleichmäßiges Gefüge herzustellen. Ein feines und gleichmäßiges Gefüge ist die wichtigste Voraussetzung für eine harte und gleichzeitig zähe Klinge.

 

Beim Normalisieren erhitze ich den Stahl auf eine Temperatur oberhalb eines Umwandlungspunktes, bei dem sich das erst noch ferritische Gefüge des Stahls in ein austenitisches Gefüge umwandelt. Bei den meisten Stählen, mit einem Kohlenstoffgehalt über 0,8%, liegt diese Temperatur bei ca. 750-770 Grad. Anschließend lasse ich den Rohling an der Luft abkühlen, bis keine Glühfarbe mehr zu sehen ist. Diesen Schritt wiederhole ich drei bis fünf mal. 

Anschließend wird der Stahl erneut auf ca. 750-770 Grad erhitzt und in heißem Öl (60-80 Grad) abgeschreckt. Diesen Schritt wiederhole ich drei mal.

 

Wie schon beschrieben, wandelt sich beim Erhitzen über den Umwandlungspunkt, das ferritische Gefüge des Stahls in ein austenitisches Gefüge um. Beim anschließenden Abkühlen, wandelt sich das Gefüge wieder ins Ferritische um, was eine Kornfeinung zur Folge hat. Die Gefügestruktur, quasi die kristalline Struktur des Stahls, wird dabei feiner und gleichmäßiger. Diesen Schritt sollte man einige Male wiederholen. Eine feine Struktur, oder anders gesagt, ein feines Korn des Stahls, ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass ein Stahl sehr hart und gleichzeitig zäh wird. Es wirkt sich positiv auf die Verschleißfestigkeit, Schärfbarkeit, Schnitthaltigkeit, Härte, Elastizität und Zähigkeit aus...